Der hauseigene Egoismus

Vorweg einmal möchte ich klarstellen, dass nach meiner Definition Egoismus kein Makel ist, nichts wofür man sich schämen muss und auch nicht etwas, dass man versuchen sollte zu unterdrücken. Egoismus ist gesund und evolutionär bedingt. Besonders bei Männer ausgeprägt, ist dieser von mir verstandene Egoismus sogar lebensnotwendig. Jeder Mann ob bewusst oder nicht, will, dass seine Gene weiterexistieren. Er will das beste Weibchen haben, um sein Erbmaterial fortbestehen zu lassen. Und daran ist nichts Verwerfliches; wäre es nicht so, wäre die menschliche Rasse vor Jahrtausenden ausgestorben.

In einem bestimmten Maß ist Egoismus wichtig zur Selbsterhaltung (und das nicht nur im biologischen Sinne). Selbsterhaltung in dem Sinne, dass man sagt „stopp“, wenn es einem zu viel wird, oder das man Menschen aus seinem Leben verbannt, die einem nichts Gutes wollen, können oder beigebracht haben. Man schützt sich durch diesen Egoismus – und das ist doch durchaus positiv.

In diesem Text geht es mir um das Maß dieses Egoismus und auch das Verständnis. Da jeder Mensch Individuum ist und ich eigene Moralvorstellungen und Prinzipien an jedem Menschen, sollten sie mir noch so fern sein, bewundere, möchte ich hier nicht verurteilen. Jeder bestimmt selbst, wie viel er von seiner „unsozialen“ – nicht gleichbedeutend mit anti-familiär oder anti-gesellschaftlich – Seite seinen Mitmenschen zeigt und wie viel er sich auch selbst zugesteht.

Wie bereits erwähnt, ist Egoismus überlebenswichtig – zumindest aber charakterbildend. Ich selbst bin ein durchaus egoistischer, ja sogar egozentrischer Mensch. Ich überlege mir berechnenderweise, was mir welche Beziehung mit welchem Menschen bringt. Und dabei geht es nicht um materielle Mittel wie Geld, ein Auto (Transportmittel eigentlich im weitesten Sinne) oder was auch immer meiner Person von Vorteil sein kann, sondern viel mehr um den“Lernwert“, den ich bei Menschen verspüre. Manche Menschen geben mir Freude, manche etwas zum Nachdenke, andere machen mich wütend oder geben mir ein Gefühl von Überlegenheit und wieder andere sind meine Seelenheiler. All das hat einen Wert für mich und dieser Wert bestimmt, wie viel ich einem Menschen von mir zeige und wie involviert ich in einer Beziehung – in welcher Form auch immer – mit diesem Menschen bin. Das hat nichts mit schlechten Eigenschaften oder einer schlechten Person zu tun, ich bin lediglich ehrlich. Und ich empfinde diese Handhabung, auch wenn es mir von der gesellschaftlichen Seite anders eingeredet wird, auch nicht als bösartig, denn jeder einzelne von diesen Menschen ist wichtig auf seine Art und Weise und verdient meinen Respekt – in welchem Maß auch immer. Und ich gehe so vor, da es mich als empathisches Wesen schützt und mich vor einem Ausnutzen in jedweder Hinsicht bewahrt. Ich sehe diese zwischenmenschlichen Bindungen natürlich nicht rein von der Seite meines Egoismus, sondern auch auf der gefühlstechnischen Ebene. Doch leider können Gefühle trügerisch sein und so bietet dieser Egoismus eine Möglichkeit abzuschätzen.

Ich konnte jedoch feststellen, dass viele Personen ihren Egoismus für nichtige, unwichtige, dumme oder schreckliche Dinge verwenden, sich selbst Argumente liefern, die sie beruhigen und so erst dafür verantwortlich waren, sind, sein werden, dass ein natürlicher Instinkt wie der Egoismus so weit verschrieen ist, dass sich jedes menschliche Lebenswesen einen Teil seiner selbst beraubt fühlt. Es ist in Ordnung nein zu sagen und das aus egoistischem Anlass zu tun, weil es vielleicht einem selbst dabei schlecht geht – finanziell, emotional. Man sollte abschätzen dürfen und auch können, ob man ablehnt, weil man nicht kann oder weil man nicht will. Das eine ist gesunder Egoismus gepaart mit Verstand, das andere ist kranker Egoismus, verzerrtes Selbstbild und hat nichts mehr mit psychologischen Betrachtungen wie die von Abraham Maslow (vgl. Wikipedia: Die Bedrüfnispyramide nach Abraham Maslow) zu tun.

Viele haben verlernt, was es heißt für andere da zu sein – kein Frage. Das hat aber in meinen Augen nicht viel mit Egoismus zu tun. Natürlich könnte man diesen Begriff laut Duden oder eingetrichterten Denkmustern dafür verwenden, ich denke allerdings, da Egoismus gleich Selbsterhaltung, dass dieses Wort dort nicht passt.

Meiner Definition nach ist Egoismus gesund und sollte nicht verurteilt werden, viel mehr sollten wir als denkende und fühlende Individuen anfangen, die Personen um uns herum anfangen zu betrachten, als das was sie sind: Eigene Individuen mit eigenem Egoismus, mit eigenen Zielen, Wünschen, Vorstellungen. Wir dürfen verurteilen, hassen – wir dürfen aufgebracht sein, wenn Unrecht geschieht oder wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen. Wir dürfen aber unsere und die Selbstständigkeit der anderen nicht vergessen.

A.I., 27.10.2012

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