Traurig ist der denkende Mensch, der Mensch mit Verstand

Der Mensch hat viele positiven Eigenschaften, Instinkte, eigentlich viele unmissverständliche Voraussetzungen, um etwas Besonderes zu sein, um etwas zu schaffen, um mehr zu sein, als bloß ein Sandkorn der Zeit. Doch anscheinend ist das Streben nach mehr verloren gegangen. Das Streben nach mehr Mensch, Wissen, nach mehr Sein.

Dabei ist es fast egal, welche Voraussetzungen man mitbringt. Jeder Mensch ist auf seine eigene Art und Weise für etwas Großes geboren. Es geht nicht um Ruhm, um Bekanntheit, um Erfolg im öffentlichen Leben. Vielmehr handelt es sich um die kleinen Dinge, die wir bewegen können, um das Leben, unsere Existenz so gut wie möglich ausschöpfen zu können. Sei es die Erziehung unserer Kinder, das Widerlegen von gesellschaftlichen Vorurteilen und selbst wenn nur ein Mensch gewachsen aus einem Gespräch hervorgeht, ist es die Mühe wert. Mehr kann und sollte man nicht erwarten. Mehr als das ist Mord am freien Gedanken, denn auch wenn die Gedanken frei sind, Schranken sind für den offenen Geist wichtig und nützlich.

Ich habe viele Theorien, warum es heutzutage so ist, warum die Menschen so leben, wie sie leben. Es gibt viele Umstände, die mich erwecken und bedeuten: Das ist die Lösung. Aber letztlich wäre es wohl zu einfach, einen Grund auszumachen und so ist alles verbunden, wie im Kleinen so im Großen. Alles ist ein nagendes Zusammenspiel, Zahnräder greifen ineinander, die industrielle Revolution der Beweggründe. Doch um auf einige Theorien einzugehen:

Vielleicht sind es zu hoch gesteckte Ziele, die durch ihre Unerreichbarkeit Resignation hervorrufen? Diese Dinge, die man erreichen will, aber es zu viel Stärke von einem abverlangt, sodass man sich fühlt „[…] wie Butter auf zu viel Brot verstrichen […]“ (Zitat: The Lord of the Rings – The Fellowship of the Ring – Bilbo Beutlin spricht mit Gandalf). Auf jeden Fall ist der Größenwahn schon immer ein menschlicher Aspekt gewesen; die Geschichte und unser eigenes Handeln, wenn wir uns für zu wichtig nehmen, als größer sehen als wir sind, sind Beweis genug. Und diese Eigenschaft ist vielleicht ein Schritt Richtung Verhängnis.

Oder aber ich bin ehrlich mit mir selbst und gestehe mir ein, dass ich die heutige Generation für nicht mehr in der Lage halte, da Umerziehung, Verklärung, mediale Verdummung Wirkung zeigen und es nahezu an ein Wunder heranreicht, wenn diese ach so aufgeklärte Welt überhaupt einen klugen Schachzug im Schwarz-Weiß-Spiel des Lebens vollbringt. Ich denke, Tugenden, Wertvorstellungen, gesunde Moral sind fast unwiderruflich verloren gegangen.

Vielleicht sind die Menschen aber auch nur Opfer ihrer eigenen Entwicklung – sind unschuldig wie das noch rosige Neugeborene bevor es sich dem Verfall näherte. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung, Entwicklung: Zwar sind dies alles Wege, die wir gegangen sind, weil es in unserer Natur liegt, doch die Zerstörung der ursprünglichen Ordnung, der sozialen, moralischen, ethischen Zusammenhänge, hat uns heimatlos gemacht und auf diesem Weg in das Nichts sind wir vom Pfad zur Weisheit, zum Licht, zur Vollkommenheit abgekommen. Diese Plage, die uns noch heute als Fortschritt verkauft wird, ist der Untergang der Natürlichkeit gewesen und auch wenn ich den Fortschritt gut heiße und die Erfindungen der Jahrhunderte in allen Zügen auskoste, würde ich es doch begrüßen, wären wir auf einem anderen Stand, denn alles um uns herum ist zu schnell gewachsen und der menschliche Geist kann nur so viel verarbeiten und mit Verantwortung und Bedacht behandeln.

Vielleicht ist diese Welt aber auch nur auf einem Pfad angelangt, auf dem es nur noch zu einer Katastrophe kommen kann, diese sogar von langer Hand geplant wurde, von welchen Mächten auch immer, aber letztlich ganz sicher von der Menschheit unterstützt.

Es gibt noch so viel mehr, was Auslöser, „Grund“ für den unseren Untergang gewesen sein könnte und vielleicht steckt es einfach in unseren Knochen und in ferner Zukunft werden wir nichts mehr auf diesem Planet sein, als ein Sandkorn. Doch wir leben im heute – im jetzt. Und das jetzt ist nicht tragbar.

Wir können versuchen etwas zu ändern und wir werden es auch tun – es liegt in unserer Natur; aber angesichts dieser Großmacht bibbern uns die Knie und das Herz schlägt uns zum Hals, lässt Worte stecken bleiben, die doch eigentlich wichtig sind, dass man sie hört und am Ende versteht.

Ein Grund warum wir so verzweifelt sind – wir kämpfen auf Eseln mit Windmühlen, weil uns Don Quijote nie aufgeben gelehrt hat und weil es nicht in unserem Charakter liegt stillschweigend zu akzeptieren. Mit Worten und Sätzen und Texten und Aussagen – groß, zu mächtigen Angriffsbollwerken aufgetürmt – bekämpfen wir die übermächtig Streitmacht und greifen uns an den Händen, die vor Anstrengung ganz rutschig sind, versuchen mit aller Gewalt Herr zu werden. An eine Kapitulation kann nicht gedacht werden, denn dann wählten wir gleich den Freitod.

Viele Dinge halten uns von großen Taten ab, dieses heutige Leben mit all seinen Möglichkeit aber genauso vielen, wenn nicht noch mehr Schwierigkeiten behindert uns am freien Atem und wir sind dem Erstickungstod nahe. Die Riemen der Gesellschaft fesseln uns an einen Stuhl der geistigen Armut und alles was wir tun können, ist auf ein scharfes Objekt zu hoffen, um uns endlich zu befreien. Die Schlinge zieht sich zu, der Henker wetzt die Klinge und die Hexenjagd findet im Verborgenen, hinter vorgehaltener Hand statt.

Traurig ist der denkende Mensch, der Mensch mit Verstand.

A.I., 28.10.2012

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Der hauseigene Egoismus

Vorweg einmal möchte ich klarstellen, dass nach meiner Definition Egoismus kein Makel ist, nichts wofür man sich schämen muss und auch nicht etwas, dass man versuchen sollte zu unterdrücken. Egoismus ist gesund und evolutionär bedingt. Besonders bei Männer ausgeprägt, ist dieser von mir verstandene Egoismus sogar lebensnotwendig. Jeder Mann ob bewusst oder nicht, will, dass seine Gene weiterexistieren. Er will das beste Weibchen haben, um sein Erbmaterial fortbestehen zu lassen. Und daran ist nichts Verwerfliches; wäre es nicht so, wäre die menschliche Rasse vor Jahrtausenden ausgestorben.

In einem bestimmten Maß ist Egoismus wichtig zur Selbsterhaltung (und das nicht nur im biologischen Sinne). Selbsterhaltung in dem Sinne, dass man sagt „stopp“, wenn es einem zu viel wird, oder das man Menschen aus seinem Leben verbannt, die einem nichts Gutes wollen, können oder beigebracht haben. Man schützt sich durch diesen Egoismus – und das ist doch durchaus positiv.

In diesem Text geht es mir um das Maß dieses Egoismus und auch das Verständnis. Da jeder Mensch Individuum ist und ich eigene Moralvorstellungen und Prinzipien an jedem Menschen, sollten sie mir noch so fern sein, bewundere, möchte ich hier nicht verurteilen. Jeder bestimmt selbst, wie viel er von seiner „unsozialen“ – nicht gleichbedeutend mit anti-familiär oder anti-gesellschaftlich – Seite seinen Mitmenschen zeigt und wie viel er sich auch selbst zugesteht.

Wie bereits erwähnt, ist Egoismus überlebenswichtig – zumindest aber charakterbildend. Ich selbst bin ein durchaus egoistischer, ja sogar egozentrischer Mensch. Ich überlege mir berechnenderweise, was mir welche Beziehung mit welchem Menschen bringt. Und dabei geht es nicht um materielle Mittel wie Geld, ein Auto (Transportmittel eigentlich im weitesten Sinne) oder was auch immer meiner Person von Vorteil sein kann, sondern viel mehr um den“Lernwert“, den ich bei Menschen verspüre. Manche Menschen geben mir Freude, manche etwas zum Nachdenke, andere machen mich wütend oder geben mir ein Gefühl von Überlegenheit und wieder andere sind meine Seelenheiler. All das hat einen Wert für mich und dieser Wert bestimmt, wie viel ich einem Menschen von mir zeige und wie involviert ich in einer Beziehung – in welcher Form auch immer – mit diesem Menschen bin. Das hat nichts mit schlechten Eigenschaften oder einer schlechten Person zu tun, ich bin lediglich ehrlich. Und ich empfinde diese Handhabung, auch wenn es mir von der gesellschaftlichen Seite anders eingeredet wird, auch nicht als bösartig, denn jeder einzelne von diesen Menschen ist wichtig auf seine Art und Weise und verdient meinen Respekt – in welchem Maß auch immer. Und ich gehe so vor, da es mich als empathisches Wesen schützt und mich vor einem Ausnutzen in jedweder Hinsicht bewahrt. Ich sehe diese zwischenmenschlichen Bindungen natürlich nicht rein von der Seite meines Egoismus, sondern auch auf der gefühlstechnischen Ebene. Doch leider können Gefühle trügerisch sein und so bietet dieser Egoismus eine Möglichkeit abzuschätzen.

Ich konnte jedoch feststellen, dass viele Personen ihren Egoismus für nichtige, unwichtige, dumme oder schreckliche Dinge verwenden, sich selbst Argumente liefern, die sie beruhigen und so erst dafür verantwortlich waren, sind, sein werden, dass ein natürlicher Instinkt wie der Egoismus so weit verschrieen ist, dass sich jedes menschliche Lebenswesen einen Teil seiner selbst beraubt fühlt. Es ist in Ordnung nein zu sagen und das aus egoistischem Anlass zu tun, weil es vielleicht einem selbst dabei schlecht geht – finanziell, emotional. Man sollte abschätzen dürfen und auch können, ob man ablehnt, weil man nicht kann oder weil man nicht will. Das eine ist gesunder Egoismus gepaart mit Verstand, das andere ist kranker Egoismus, verzerrtes Selbstbild und hat nichts mehr mit psychologischen Betrachtungen wie die von Abraham Maslow (vgl. Wikipedia: Die Bedrüfnispyramide nach Abraham Maslow) zu tun.

Viele haben verlernt, was es heißt für andere da zu sein – kein Frage. Das hat aber in meinen Augen nicht viel mit Egoismus zu tun. Natürlich könnte man diesen Begriff laut Duden oder eingetrichterten Denkmustern dafür verwenden, ich denke allerdings, da Egoismus gleich Selbsterhaltung, dass dieses Wort dort nicht passt.

Meiner Definition nach ist Egoismus gesund und sollte nicht verurteilt werden, viel mehr sollten wir als denkende und fühlende Individuen anfangen, die Personen um uns herum anfangen zu betrachten, als das was sie sind: Eigene Individuen mit eigenem Egoismus, mit eigenen Zielen, Wünschen, Vorstellungen. Wir dürfen verurteilen, hassen – wir dürfen aufgebracht sein, wenn Unrecht geschieht oder wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen. Wir dürfen aber unsere und die Selbstständigkeit der anderen nicht vergessen.

A.I., 27.10.2012